Der RC Marl im VfB Hüls ist einmal mehr stolz auf sein Eigengewächs Jason Osborne. Gemeinsam mit Jonathan Rommelmann wurde der Wulfener, der als Jugendlicher in Marl aufs Wasser ging, zum zweiten Mal in Folge Vize-Europameister im Leichtgewichts-Doppelzweier.

Im italienischen Varese war nur das irische Duo Marc McCarthy und Paul O`Donovan schneller.

„Wir gratulieren unserem Vereinsmitglied ganz herzlich und freuen uns sowohl für Jason als auch für uns“, meinte VfB-Präsident Dieter Peters. „Das unterstreicht erneut unsere hervorragende Nachwuchsarbeit.“

Trotz des deutlichen Abstands zum Gold-Duo war Osborne nicht enttäuscht. „Wir haben alles versucht, aber zu diesem frühen Zeitpunkt hatten wir noch nicht die erforderliche Rennhärte.“

Das wird nun nachgeholt – vor allem in den Weltcuprennen in Zagreb und Luzern. Darüber hinaus steht im Juni noch ein Trainingslager in Österreich auf dem Programm, ehe die Olympischen Spiele in Tokio den krönenden Abschluss bringen sollen: Jason Osborne, der seit Jahren für den Mainzer RV rudert, wird anschließend umsatteln und nicht nur zum Training aufs Rad steigen.

BZ

Gern gesehener Besucher in Marl: Jason Osborne, hier zwischen seinem ehemaligen Trainer Aicke Böhm und Ex-VfB-Geschäftsführer Friedhelm Zachau, bei seinem Abstecher nach seinem WM-Titelgewinn im Leichtgewichts-Einer.

Er ist ein Crosslinker. Ein Quervernetzer. Seit mehr als drei Jahren leitet er diesen Evonik-Bereich als Director Supply Chain für die Region EMEA, also Europe/Middle East/Africa. Seit einigen Monaten muss Hakan Simsir als Hauptgeschäftsführer des werkverbundenen Vereins VfB 48/64 Hüls ähnlich vernetzen: Der 44-Jährige, der bis zur wegen Corona verschobenen Jahreshauptversammlung bis zum Frühjahr (?) auch noch Vorsitzender der kickenden VfB-Zunft ist, muss nun über den Fußball hinaus die Abteilungen zusammenführen bzw. -halten.

„Sparten“, wie Hakan Simsir sagt. Die Chemie kann er auch im Sport nicht verleugnen. Nicht nur, dass sie hier wie dort stimmen muss – die Wortwahl lässt keinen Zweifel aufkommen, wo der dreifache Papa die Brötchen verdient.

Immer verdient hat. 1999 begann Hakan Simsir nach dem Abitur seine Ausbildung zum Industriekaufmann im heutigen Chemiepark Marl. Seine ersten Berufsjahre nach der bestandenen Prüfung absolvierte er im Marketing VESTAMELT/VESTOSINT bei High Performance Polymers (HP), seinerzeit noch unter der Flagge von Degussa-Hüls.

Zum VfB lotste ihn vor vier Jahren der heutige Präsident Dieter Peters. Die Verbindung ist schnell erklärt: Peters war Gesamtbetriebsratsvorsitzender, Simsir einst Jugendvertreter am Standort Marl. Beide lieben den Fußball – Hakan Simsir führte acht Jahre lang Fenerbahce Istanbul Marl, Peters hält schon immer Schalke und dem VfB Daumen und Treue.

Man kannte sich, man schätzte sich. Und jeder traute dem anderen zu, das Bestmögliche aus dem Verein im Schatten des Chemieparks herauszuholen.

Das hat sich nicht geändert. „Er kann sehr gut Menschen führen und zusammenführen“, betont Peters. „Ich bin gut vernetzt und kann gut vernetzen“, ergänzt der neue Hauptgeschäftsführer, der darüber hinaus als kommunikativ, ehrlich, gut strukturiert und empathisch bekannt ist. „Einfach ein guter Typ, der die Bedürfnisse und Interessen der Menschen erkennt“, freute sich Peters nach der Wahl auf der VfB-Delegiertenversammlung.

Um beim Vokabular der Unternehmen zu bleiben: Es ist eine win-win-win-situation. Evonik profitiert genauso wie der Standort und der Verein. „Der Stallgeruch von Marl und Evonik kommt uns beim VfB allen zugute“, weiß Hakan Simsir, der schon aus familiären Gründen offen gegenüber anderen Sportarten ist.

Okay – der Sohn tritt in der – aktuell sehr erfolgreichen – C-Jugend des VfB gegen den Ball. Aber den Töchtern haben es Fitness beziehungsweise Judo angetan.

Apropos Familie: „Ohne die Unterstützung meiner Frau würde dieser Spagat nicht gehen“, erzählt Hakan Simsir. „Sie hält mir wunderbar den Rücken frei.“

Weihnachten, Lockdown - alles anders als sonst. Umso wichtiger ist die Ruhe und Besinnlichkeit daheim. Daher wird auch unsere Geschäftsstelle über den Dächern der Bereitschaftssiedlung zwischen den Tagen schließen.

Auch wenn Corona das Jahr mächtig getrübt hat, auch wenn Evonik seine Spenden gekürzt hat – der VfB Hüls ist finanziell gesund. „Alle Abteilungen sind im schwarzen Bereich“, freute sich Friedhelm Zachau bei seinem letzten Amtsantritt als Hauptgeschäftsführer. „Ich ziehe den Hut vor allen Verantwortlichen, die hervorragend gewirtschaftet haben.“

Es blieb nicht bei der einen positiven Botschaft. Der Verein wird im nächsten Frühjahr sein 546.000 Euro teures blaues Wunder erleben, wenn der neue Hockeyplatz eingeweiht wird. „Wir haben endlich alles in trockenen Tüchern und können jetzt sofort loslegen“, atmete Zachau auch auf der Delegiertenversammlung noch einmal tief durch.

Modern und zukunftsorientiert präsentiert sich der Verein auch durch eine neu geschaffene Position: Dr. Petra Kläsener wird als Frauenbeauftragte (bis zur Satzungsänderung kommissarisch) für frischen Wind sorgen. Die Juristin und Vorsitzende des Vereins „Frauen helfen Frauen“ freut sich auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe und das Zusammenspiel mit den Abteilungen.

Der große Traum wird Wirklichkeit – weitere große Pläne aber liegen bereits auf dem Tisch: „Wir möchten, dass jedes Kind in Marl während seiner Kindergarten- beziehungsweise Schulzeit wenigstens einmal einen Hockeyschläger in der Hand hat“, verriet Vorsitzender Carsten Plänker, dessen Mannschaften bei den Jungen und Mädchen einen leichten Rückgang verzeichnet haben.

„Darüber hinaus haben wir einen Club der 100 ins Leben gerufen, bei dem jedes Mitglied 100 Euro spendet.“ Das Ziel ist schon nach kurzer Zeit mehr als zur Hälfte erreicht. Passt gut, denn die Hockeyer steuern einen fünfstelligen Betrag zur Finanzierung der Platzrenovierung bei.

Die Kraftsportler melden hingegen wie die Boxer steigende Zahlen – vor allem bei den jungen Sportlern, die regelmäßig zum Training kommen. Inzwischen besitzen zwölf Athletinnen und Athleten eine Startlizenz, die im Vorjahr zahlreiche Erfolge feiern durften, unter anderem drei Deutsche Meisterschaften und 14 Landesmeister-Titel.

Stolz durften auch Peter Niski und seine Truppe sein: Gleich bei zwei Turnieren wurden die VfB-Ringstarter unter anderem als beste und disziplinierteste Boxer ausgezeichnet.

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Neue Probleme und ein neuer Name: Die ehemalige Gymnastik-Abteilung, die nun unter Fitness und Gesundheit ihren Breitensport im VfB betreibt, erlebt durch Corona zwar keinen Mitglieder-, aber einen Aktiven-Schwund. Die Zuversicht, dass sich das bald wieder ändert, ist jedoch groß.

Motivationsprobleme kennen auch die Ruderer. Die Mitgliedszahlen stimmen zwar auch hier weiterhin, doch die gierigen jungen Leistungssportler gehen den Boot-Spezialisten aus. Zudem wartet der Vorstand noch auf den neuen Zweier sowie einmal mehr auf den Nachwuchs für das oberste Abteilungsgremium.

Durch ihre Jugendlichen haben hingegen die Fußballer gleich mehrere Pfunde, mit denen sie wuchern können. Nicht nur, dass entgegen aller Erwartungen sämtliche Mannschaften qualitativ und quantitativ top besetzt sind – erstmals schafften gleich fünf A-Junioren den Sprung ins Bezirksliga-Team. „Auch wenn die Ergebnisse noch nicht so sind wie erhofft – es passt wunderbar, und unsere Jugendarbeit trägt richtig Früchte“, freute sich Hakan Simsir.

Damit nicht genug: Inzwischen kickt wieder ein zweites Team für den VfB. Hinzu kommen eine Juniorinnen (Foto)- und eine Damenmannschaft.

„Das ist eine ganz tolle Sache“, meinte der Vorsitzende. „Auch wenn die Frauen noch keine Meisterschaftsspiele absolvieren, weil der Kader noch zu klein ist – sie legen bei allem Spaß an der runden Sache einen unheimlichen Ehrgeiz an den Tag. Das sehen wir nicht nur bei den Freundschaftsspielen, sondern auch beim Training.“

Keine Überraschungen gab es bei den Wahlen. Der neue VfB-Vorstand setzt sich zusammen aus Präsident Dieter Peters, seinen Stellvertretern Klaus Bien und Michael Hoffmann (für Friedel Wilkat), Hauptgeschäftsführer Hakan Simsir (für Friedhelm Zachau), Stellvertreter (Rainer Schwarma, neu), Kassenwart Udo Gusialowski sowie Schriftführerin und Sozialwartin Martina Volmer.

Die Presse übernimmt weiterhin Volker Hilbt. Neu dabei ist die Frauenbeauftragte Dr. Petra Kläsener.