Der Landessportbund Westfalen und der VfB Hüls bedankten sich bei Gaby Thirring (links) für ihr ehrenamtliches Engagement. Seit den späten 70er-Jahren ist Gaby als Trainerin (sie hat alle Mannschaften schon mal unter ihren Fittichen gehabt), Vorstandsmitglied und gute Seele aus der Hockeyabteilung nicht wegzudenken.

Wo lag es also näher, als sie bei einem Turnier der Minis mit einem prall gefüllten Präsentkorb zu überraschen?

Ehre, wem Ehre gebührt: Auch der VfB Hüls war gut vertreten, als die Stadt Marl wieder verdiente Sportlerinnen und Sportler sowie Mannschaften auszeichnete. Auf die Bühne durften Friedhelm Zachau (für ihn nahm allerdings sein Hauptgeschäftsführer-Nachfolger Hakan Simsir die Plakette entgegen), Peter Niski, Nurdane Cetintas und Patrizio Simeoli für ehrenamtliches Engagement oder sportliche Erfolge sowie drei Hockey-Teams: Die Damen und Herren stiegen 2021 bzw. 2022 in die Oberliga auf, die Herren-Zweitvertretung schaffte in der Halle 2020 den Sprung in die Verbandsliga.

Friedhelm Zachau „funktionierte“ beim VfB Hüls 25 Jahre lang – zeitweise auch doppelt: von 1995 bis 2004 und 2006 bis 2010 als Jugendleiter sowie von 1998 bis 2002 und 2014 bis 2020 als Hauptgeschäftsführer. Der ehemalige Kicker, der heute beim Fußballtennis das runde Leder nicht mehr ins, sondern übers Netz donnert, verband nicht nur bei internationalen Vereinsfahrten und Turnieren Sport mit Kultur, darüber hinaus lag ihm die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund immer am Herzen.

Als Hauptgeschäftsführer führte er den VfB in schwierigen Zeiten mit Umsicht in ruhiges Fahrwasser. Zuletzt sorgte er für ein „blaues Wunder“ – Friedheim Zachau gilt als der Vater des neuen Hockeyplatzes.

Peter Niski wollte Turmspringer wollte er werden. War nix: „In Recklinghausen gab es einen Verein, aber da war erst ab 20 Uhr Training. Und wie hätte ich als Knirps dahin kommen sollen?“

Also wurde Peter Niski 1971 Boxer. Es wurde – nein, ist – eine Erfolgsgeschichte. Aus dem zierlichen Jungen wurde ein exzellenter, schlagkräftiger Techniker und Taktiker, der nach 183 Bundesligakämpfen (die meisten für Erle) die unhandlichen Handschuhe an den Nagel hing, zweimal für Deutschland (in England und in Polen) in den Ring stieg und siegte und (damals rein sportlich) viel von der Welt sah.

Aus dem Boxer Niski wurde bald ein Trainer Niski. „Der VfB Hüls hatte keinen mehr, und da meinte mein Vater, mach doch mal.“ Wie das so ist: Aus dem „Mach doch mal“ wurde eine halbe Ewigkeit.

1984 erwarb Peter Niski die (C-)Lizenz zum Trainieren, zwei Jahre später erhöhte er auf B. Niski wurde Verbandstrainer und durfte damit Aktive zu Deutschen Meisterschaften führen, wenig später Lehrwart (schon lange auch im Verband) und A-Lizenz-Trainer. „Fürs internationale Geschehen“, erläutert der Marler, dem der Spaß mit dem Nachwuchs nie verlorenging.

Wie viele Westfalen- und Landestitel seine Boxer einheimsten, weiß er nicht mehr. Ganz sicher aber ist er bei den Deutschen: „Es waren fünf.“

Hinzu kamen genauso viele Meisterschaften mit Hamm: „Wir hatten ein Quintett ausgeliehen“, schmunzelt Peter Niski. Darüber hinaus starteten „seine“ Jungs erfolgreich auch bei internationalen Wettbewerben in Europa, unter anderem in Polen, England und Russland.

Sein erfolgreichster Schützling war Artur Schmidt. Weltmeister 2006, später erneut im Rahmen der Weltliga mit Paris in Japan. Der Beweis in Form eines großen 

Zeitungsartikels hängt im VfB-Raum der Sporthalle an der Wiesenstraße.

Seit 2018 ist Peter Niski nur noch Lehrwart im Verband. Und natürlich nach wie vor Trainer beim VfB. Fünfmal wöchentlich schickt er die Aktiven auf die Bretter. Verbal natürlich.

Seine kongeniale Partnerin ist Nurdane Cetintas. Sie trägt seit 2002 die Farben des VfB. Schon drei Jahre später wurde sie Trainerin der Frauen und Mädchen, 2010 auch noch Jugendwartin. Nurdane Cetintas gilt als die gute Seele – in und neben dem Ring.

Auch Patrizio Simeoli trägt klobige Handschuhe, wenn er seinen Sport ausübt. Und dabei ist er sehr erfolgreich: Ausgezeichnet wurde er für die Bronzemedaille, die er bei der Deutschen Kadetten-Meisterschaft gewann.

Wer am 30. Oktober zur Geschäftsstelle pilgert, steht vor verschlossenen Türen. An diesem Tag ist sie nicht besetzt.

Er ist noch nicht vor dem Trainingsgelände angekommen, da ist das Hallo schon riesengroß. Er hat noch nicht mal Platz auf der Bank genommen, da kommen schon Kuchen und Waffel. „Mit Sahne?“ „Nein, aber mit Gabel.“ „Hamwa nicht, aber eine Serviette.“ „Auch nicht schlimm.“

Friedel Wilkat. Das Urgestein der VfB-Boxer. 81 und kein bisschen mundfaul. Spritzig-witzig – humorvoll und unterhaltsam. Am Wochenende verstarb der langjährige VfB-Athlet. Ruhe in Frieden – und viel Kraft für die Familie.

Der alte Mann und der Ring: Seit 1959 war er Mitglied im heutigen VfB Hüls. „Ein Kollege hat mich damals zum Boxen mitgenommen“, erinnerte sich Friedel Wilkat bei unserem letzten Gespräch fürs VfB-Magazin, das zum 75. Jubiläum im kommenden Jahr erscheinen wird. Obwohl er nach dem ersten Training etwas mitgenommen aussah, ist er dabeigeblieben und hat sich durchgeboxt.

Senioren-Mittelgewicht bis 75 Kilo. „Gewinnen war toll“, lachte der Dorstener, den auch der Nachwuchs der VfB-Faustkämpfer wie einen bunten Hund kannte. Bezirksmeister, Endrunde Westfalenmeisterschaft, Bundesliga mit Wattenscheid.

Daran erinnerte er sich besonders gern: „Wir hatten einen ganz tollen Wettkampf in Luxemburg – mit allen elf Klassen. Das war für uns damals ein Spaß ohne Grenzen.“

Den ersten ganz großen Trip verpasste Wilkat: „Ich sollte mit der Westfalenauswahl nach Moskau. Ein Arbeitsunfall sorgte leider für den Ko. neben dem Ring.“

1981 wurde er Trainer. „Ich wollte Spaß und Erfahrung an die jungen Boxer weitergeben“, erzählte Friedel Wilkat, der auch den heutigen Box-Boss unter seinen Fittichen hatte: „Peter Niski wusste überhaupt nicht, wie gut er war. Er war einfach klasse!“

Das Attribut hielt er für den Chef auch heute noch bereit: „Peter bereitet sich eine Freude, indem er anderen eine Freude bereitet. Er geht in seinem sportlichen Werken voll auf.“

Friedel Wilkat wusste, worüber er sprach. Er war regelmäßig an der Sporthalle Wiesenstraße, um den Männern und Frauen, Jungen und Mädchen beim Training zuzuschauen.

Und um zu schnacken. Und zu essen. Auch ohne Sahne und ohne Gabel.

Seit drei Jahren war er VfB-Rentner. Nach 60 Jahren Vereinstätigkeit, darunter 15 Jahre lang Vorsitzender bei den Boxern und zuletzt sechs Jahre Vizepräsident des Vereins, ging für Friedel Wilkat schon aufgrund der Knie nichts mehr.

„Das war‘s jetzt“, meinte Wilkat, der bei seinem Abschied im Rahmen der Delegiertenversammlung mit der goldenen Ehrennadel bestückt und frenetisch gefeiert wurde. Nicht nur von den Boxern.

Friedel Wilkat ist tot. Ein großer Verlust nicht nur für seine Familie. Auch der VfB trauert.