RC Marl im VfB Hüls freut sich über den Goldjungen, der seine Karriere im Vest begann

Mit seinem Weltrekord im Vorlauf hatte Leichtgewichts-Ruderer Jason Osborne, die ehemalige Skuller-Koryphäe des RC Marl im VfB Hüls, schon eine starke Duftnote bei der Weltmeisterschaft im bulgarischen Plovdiv gesetzt. Es roch also nach Gold – und aus diesem Edelmetall war denn schließlich auch die Medaille, die sich der Wulfener, der inzwischen für den Mainzer Ruder-Verein 1878 übers Wasser fliegt, um den Hals hängen ließ. 

Osborne, der schon zwei Weltcuprennen im Männer-Einzel für sich entschieden hatte, zeigte der Konkurrenz auch im Finale schnell cool die Schulter. Nur auf den ersten 500 Metern konnten die Verfolger noch halbwegs folgen. Am Ende hatte der 24-jährige EM-Silbermedaillengewinner und Olympia-Neunte von 2016 sowie der zweifache U23-Weltmeister und mehrfache Deutsche Meister mit 6:56,36 Minuten zwei Sekunden Vorsprung auf seinen ärgsten Rivalen, den Schweizer Michael Schmid.

Doppelte Freude beim Solisten, wobei der Weltrekord für ihn zweitrangig ist: „Das Gold kann mir niemand mehr nehmen, die Bestzeit wird jedoch irgendwann fallen“, sagt der Top-Athlet.

Eitel Sonnenschein herrschte auch beim VfB Hüls, der freudestrahlend ein Glückwunschschreiben nach Mainz schickte. Als Elfjähriger hatte der frisch gebackene Weltmeister 2005 beim RCM angedockt. Ausgebildet wurde er von Aicke Böhm, der auch heute noch Kontakt zu seinem erfolgreichsten Schützling hält und gemeinsam mit Osbornes Vater sogar das Gold vor Ort mitfeierte.

Sieben Jahre lang zog der für die Marler am Riemen, ehe er als Senior Nordrhein-Westfalen in Richtung Rheinland-Pfalz verließ. „Der Wechsel hatte nicht nur mit den ganz anderen Trainingsbedingungen als Erwachsener zu tun“, erklärt Böhm. „Die Kosten, die ein Verein bei einem Weltklassesportler wie Jason schultern muss, hätten wir nicht aufbringen können.“

Beim postalischen Glückwunsch soll es nicht bleiben. Die Marler hoffen, „ihren“ Weltmeister bald auch wieder in die Arme nehmen zu können. „Er kommt ja regelmäßig ins Vest zurück. Aber meist reicht die Zeit nur für Familie und Freunde. Doch zu speziellen Anlässen schaut er auch hin und wieder bei uns vorbei“, freut sich der Goldvorbereiter auf das nächste Treffen.

Mit dem WM-Titel ist Jason Osborne seinem Fernziel, Tokio 2020, ein Stück nähergekommen. Allerdings kann er in Japan nicht als Solist starten – der Leichte Einer ist keine olympische Bootsklasse. Der Leichte Doppelzweier soll es werden. „Aber da ist der Konkurrenzkampf weltweit sehr hoch, weil viele Top-Ruderer darauf hinarbeiten“, weiß Aicke Böhm. „Aber eine bessere Empfehlung für den internen Qualifikationskampf beim Deutschen Ruderverband als die von Plovdiv kann es kaum geben.“